Landesschulkongress Hannover am 29.05.2013 – „Gemeinsam Demokratie gestalten“

Politik kann Spaß machen. Das hat dieser Tag mal wieder bewiesen.

Am Mittwoch, den 29.05.2013, sind Katalin, Jan und Thilo (diesmal glücklicherweise zu dritt, da Katalin nicht durch eine lästige Klausur in der Schule gehalten wurde) nach Hannover gefahren, um am Landesschulkongress in Hannover teilzunhemen. Ein langer Tag (6:45 Uhr in Rastede mit dem Zug los), der sich aber wirklich gelohnt hat. Unter dem Motto „Demokratie gemeinsam gestalten“ hat der Landesschülerrat Workshops vorbereitet und den NSU-Untersuchungsausschuss-Leiter und Abgeordneten der SPD im Bundestag Sebastian Edathy eingeladen, der einen sehr interessanten Vortrag über Rechtsextremismus, Demokratie und Parlamentarismus gehalten hat, in dem es vor allem darum ging, wie Demokratie gelebt, beschützt und bewahrt wird.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden Keven Knipping und ein paar Erläuterungen von Duc Nguyen (stellv. Vorsitzender) ging es bereits in die Workshop-Phase, für die wir uns aufgeteilt haben, um so viel wie möglich an Informationen zu erhalten und an euch Schüler weiterzugeben. Die Workshops reichten von Identität, über Rassismus und Gesellschaft, bis hin zur Arbeit der SV und Projektmanagement.

Katalin und Jan haben mit Teambuilding begonnen, in dem es, kurz zusammengefasst, um Möglichkeiten ging, ein Team effizient zu bilden, zu stärken und weiterzuentwickeln. Dafür wurden zuerst Probleme besprochen, die es in den einzelnen Schülervertetungen aus Niedersachsen gibt, um anschließend Lösungen zu erarbeiten. Des Weiteren wurden relevante Werte eines gut funktionierenden Teams besprochen und in Spielen, die Hemmungen und Blockaden lösen sollten, umgesetzt. Geleitet wurde dieser Workshop vom SV-Bildungswerk, mit dem wir auch in Zukunft noch in Kontakt treten möchten (http://www.sv-bildungswerk.de/verein/index.html).

Während der ersten Workshopphase hat Thilo den Kurs für Grundlagen der Rhetorik besucht, der von Duc Nguyen geleitet wurde. Dabei sollte vor allem klar werden, wie eine gute Rede gehaten wird und welche Aspekte relevant sind. So wurde einerseits gezeigt, dass nonverbale Kommunikation (Körpersprache, Mimik, Gestik) deutlich wichtiger ist als paraverbale (Betonungen) und inhaltliche Kommunikation (55-38-7 Mehrabian-Regel), andererseits aber auch verdeutlicht, wie man eine gute Rede umsetzt und was es heißt, richtig vorbereitet zu sein. Vorbereitung ist hier nicht nur eine Top-Rede mit allen möglichen rhetorischen Mitteln auszuarbeiten, sondern sich selbst durch eine positive Körpersprache im Vorfeld zu bestärken, da es durch Studien bewiesen ist, dass eine selbstbewusste, aufrechte Körperhaltung den menschlichen Körper Testosteron produzieren lässt, wodurch Mut, Risikobereitschaft und Selbstvertrauen erhöht werden, im Gegenzug eine ängstliche, Kehle schützende (Abwehrverhalten) Sitzposition unser Gehirn veranlasst das Hormon Cortisol zu produzieren, das dem Körper Angst signalisiert. Um das auszuprobieren, versucht mal euch zum Lächeln für eine Minute zu zwingen und ihr werdet merken, dass ihr automatisch glücklich werdet. Beeindruckend.
Weiterhin ging es auch um Schlagfertigkeit, um verbale Verteidigung durch verschiedenste Techniken, die man anwenden kann, um jemanden ohne jegliche Gewalt in seine Schranken zu weisen. Ein klasse Seminar mit toller Führung! (Die Präsentation zu dem Thema folgt)

Interessant wurde es auch für Katalin und Jan im 2. Workshop. „Wer bin ich-und wenn ja, wie viele?“ lautete hier das Thema, das gezielt auf Identität in der Gesellschaft angespielt hat. Zuerst wurde gefragt, was Identität überhaupt ist und wodurch sich verschiedene Identitäten unterscheiden. Auch war wichtig zu klären, wann und wie ich mich mit jemandem identifiziere. Es war zwar ein Wokshop, der wenig mit der eigentlichen SV-Arbeit zu tun hatte, aber dennoch gezeigt hat, wie unterschiedlich Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten, Kulturen und Religionen mit unterschiedlichsten Glaubensvorstellungen und Moral sind. Dazu wurde eine Methodik erprobt, in der es darum ging, eine neue Identität zu erhalten und darauf basierend, Fragen wie „Würdest du ein Ticket im Zug lösen, wenn ganz sicher ist, dass niemand dich kontrolliert?“ zu beantworten. Bei jedem „ja“ sollte man einen Schritt nach vorne gehen, um nach mehreren fragen zu erkennen, wie unterschieldich Urteilsbildung ist und auch wie wichtig es ist, jeden einzelnd zu berücksichtigen. Und genau das ist auch letztendlich die Lehre, die wir als SV daraus ziehen können: Es gibt nicht das eine Interesse, sondern ganz viele verschiedene, die alle in ihrer Gesamtheit betrachtet und berücksichtigt werden müssen, um ein friedliches, demokratisches Miteinander zu ermöglichen. Eine gute, persönlicher, aber auch eine wichtige, politisch-gesellschaftliche Erfahrung!

Rassismus sollte beim Thema Demokratie auch niemals zu kurz kommen. Deshalb fand ebenfalls ein Workshop zu diesem Thema statt, wo geklärt werden sollte, was Rassismus ist, wo er sich zeigt, wo er seinen Ursprung hat und ob er eine natürliche Herkunft besitzt. Rassismus findet keine natürliche Ableitung, sondern lediglich eine zur Rechtfertigung von Völkermord abgewandelte Version der Befunde des britischen Forschers Charles Darwin sowohl im Dritten Reich („Rassentheorie“, „Recht des Stärkeren“) als auch im Imperialismus (Sozialdarwinismus). Alle Menschen haben ihren Ursprung in Afrika. Von dort aus haben sie sich über die ganze Welt verteilt. Jeder Mensch ist vom Wert her gleich, kein Mensch hat das Recht, einen anderen Menschen aufgrund seiner äußerlichen Erscheinung, seiner Herkunft, seiner Kultur oder seiner Religion als minderwertig und nicht lebenswert zu bezeichnen. Dennoch zeigt sich Rassismus auch heute noch in unserem Alltag, obwohl man meinen sollte, dass er in der modernen, aufgeklärten Welt nicht mehr existiere. Dazu wurde vor allem die Sprache untersucht. Bezeichnungen wie „schwarzfahren“ (aus Amerika aufgrund des öffentlichen Verkehrs, in dem „Weiße“ und „Farbige“ nicht einem Bus fahren durften), „getürkt“ (bezogen auf die „Plagiatswirtschaft“ in der Türkei), „dämlich“ (eigentlich Gegenstück zu „männlich“, heutzutage aber synonym zu „dumm“) und ein rosaner Stift als „Hautfarbe“ haben alle idealistisch-rassistische Hintergründe, die aber in ihrem Gebrauch nicht mehr bedacht werden. Um hier aber nicht ausschweifend zu werden, sollte nur festgehalten werden, dass Rassismus etwas völlig Falsches ist und nicht mehr in unsere heutige globale, vernetzte Gesellschaft passt. Was unsere Welt braucht, sind Toleranz und Akzeptanz, ein friedliches Miteinander durch Wertschätzung. Das ist ein großer Teil der Demokratie. Ein sehr großer.

Wir alle waren uns einig, dass das ein rundum gelungener, lehrreicher Tag in Hannover war, der sich zu wiederholen lohnt. Wir bedanken uns beim Landesschülerrat für seine tolle Arbeit und hoffen darauf, dass weierhin solch grandiose Kongresse stattfinden, in denen man die Möglichkeit erhält, mit anderen Schülern aus anderen teilen Niedersachsens zu sprechen, über Probleme zu reden, Demokratie als aktiven Prozess zu verstehen und viel für die Zukunft mitzunehmen!

Ein Bild sollte hierbei natürlich auch nicht fehlen… Wir im Zug zurück:

IMAG1845
Jan Lübs, Thilo Papenroth, Katalin Kalettka (v. l.)

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